Pferdekutschen: Eine Gefahr für Tier und Mensch

Viele Pferde werden in Fasnachtsumzügen, Rennveranstaltungen und «touristischen Rundfahrten» eingesetzt, wo sie schwere Kutschen ziehen müssen – teilweise stundenlang bei Wind und Wetter, Winterkälte und Sommerhitze, oftmals im lauten, stinkenden und gefährlichen Strassenverkehr und auf hartem Asphalt.

Eine artgerechte Lebensweise wird den Tieren meist verwehrt, sodass es immer wieder vorkommt, dass Pferde vor Kutschen erschöpft zusammenbrechen. Für die sensiblen Tiere reichen bereits laute Geräusche oder Bodenunebenheiten, um einen Fluchtinstinkt auszulösen. So kommt es immer wieder zu Unfällen, bei denen Menschen und Tiere verletzt werden. Vielfach müssen die Pferde aufgrund ihrer Verletzungen sogar eingeschläfert werden.

Verschiedenste Arten von Kutschfahrten

In der Schweiz werden Pferde für verschiedenste Arten von Kutschfahrten eingesetzt – von «Fondue-Kutschen» und «Rundfahrten» über «Gotthard-Postkutschen» und Fasnachtsumzüge bis hin zu Pferderennen mit Kutschen. Bei der Veranstaltung «Marché-Concours National de Chevaux», die jährlich im Hochsommer stattfindet, werden die Tiere mit fragwürdigen Mitteln dazu gebracht, sich bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu verausgaben – etwa durch Ziehen schwerer bzw. gebremster Kutschen. Die Veranstaltung ist in hohem Masse tierrechtswidrig. Die Fahrt mit einer «Gotthard-Postkutsche» wird von den Anbietern als «Reisen wie vor 150 Jahren» angepriesen. Bereits diese Aussage verdeutlicht, dass Kutschfahrten eine längst veraltete Form der Unterhaltung sind, die nicht unterstützt werden sollte.

Ganz gleich, für welche Art von Kutschfahrten Pferde eingesetzt werden: Schwere Wagen zur menschlichen Unterhaltung ziehen zu müssen, teilweise bei extremen Wetterbedingungen, widerstrebt ihrer natürlichen Lebensform und ist für die Tiere immer mit Stress verbunden. Doch das Wohl der Pferde steht für die Halter nicht an oberster Stelle – oft wird billigend in Kauf genommen, dass die Tiere vor Erschöpfung zusammenbrechen oder gar eingeschläfert werden müssen.

Pferdekutsche
Pferdekutschen weisen selbst ohne Passagiere bereits ein hohes Gewicht auf und sind damit viel zu schwer für die Tiere – egal, ob sie gesund oder vorbelastet sind.

Tierschutzwidrige Trainingsmethoden zur Vorbereitung auf Umzüge

Auch an den Basler Fasnachtstagen werden Pferde eingesetzt. Die sensiblen Tiere müssen schwere Kutschen durch ausgelassene Menschenmengen ziehen und leiden unter lauter Musik und Konfetti. Die stundenlangen Einsätze auf hartem Asphalt durch teilweise enge Gassen führen bei den Pferden häufig zu Gliederschmerzen.

Zusätzlich sind auch die tierschutzwidrigen Trainingsmethoden zu kritisieren, mit denen die sensiblen Fluchttiere im Vorfeld «desensibilisiert» werden. Im Training werden Pferde regelmässig mit lauter Musik beschallt oder durch Knallgeräusche erschreckt. Teilweise kommen auch scharfe Gebisse zum Einsatz, um die Tiere mittels Schmerzen zu kontrollieren. Laut einem Artikel der Basler Zeitung erhielt rund ein Fünftel der Pferde im Vorfeld der Fasnacht Beruhigungsmittel, damit die Tiere die Belastung überhaupt aushalten. [1] Es ist ethisch nicht vertretbar, gesunden Pferden Beruhigungsmedikamente zu verabreichen, nur damit die Tiere dem Stress der Umzüge standhalten.

Unfälle mit Pferdekutschen enden oft tödlich

Kutschunfälle werden am häufigsten verursacht, wenn sich eines oder mehrere Pferde erschrecken, beispielsweise durch ein hupendes Auto. Der Schreck löst bei den Tieren eine Fluchtreaktion aus, sodass sie in Panik davonrennen. Selbst trainierte Pferde sind in Stresssituationen meist unkontrollierbar.

Während für Fahrzeuge im Strassenverkehr höchste Sicherheitsstandards gelten, dürfen Pferdekutschen auch heute noch durch hochmotorisierte Strassen traben. Allein 2019 sind im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Schweiz, Österreich) bei insgesamt 70 Unfällen zwei Menschen gestorben, 153 wurden verletzt. Zudem kamen dabei vier Pferde zu Tode, und 17 Tiere wurden verletzt. Die häufig schweren Verläufe von Kutschunfällen sind vor allem auf fehlende Sicherungsvorrichtungen wie Gurte und Airbags sowie mangelhafte Beleuchtung und unzureichende Bremssysteme zurückzuführen. [2]

Auch Umzüge gehen oftmals mit Unfällen einher: An den Basler Fasnachtstagen 2019 ereigneten sich gleich zwei Pferdeunfälle. [3] Als beim Rosenmontagszug in Köln 2018 die Pferde einer Kutsche durchgingen, wurden fünf Menschen teils schwer verletzt. Die Stadt Düsseldorf beschloss daraufhin ein Verbot von Pferdekutschen beim Rosenmontagszug. Auf einem Volksfest in Troisdorf im Jahr 2015 wurden bei einem schweren Pferdekutschenunfall 26 Menschen teils schwer verletzt. Ein Sachverständigengutachten ergab, dass «die Pferde ihrem Fluchtinstinkt gefolgt seien – und auch vom Kutschbock mit Leinen und Peitsche nicht mehr für menschliche Kommandos empfänglich gewesen wären». [2]

Verletztes Pferd liegt auf dem Boden
Jedes Jahr ereignen sich zahlreiche Unfälle, bei denen sowohl Menschen als auch Pferde verletzt werden und sterben.

Förderung von tierfreundlichen Alternativen zu Kutschen

Selbst für gesunde Pferde ist das Ziehen einer Kutsche mühsam und gesundheitsgefährdend. Der Rauch und die Abgase des Stadtverkehrs sind für die Pferde gesundheitsschädlich. Recherchen zeigen zudem, dass die Unterbringung der Tiere oft mangelhaft ist. Anstatt mit ihren Artgenossen ein Leben auf der Weide oder in der Herde zu verbringen, werden die sensiblen Pferde Tag für Tag über viele Stunden ausgebeutet. Können sie die schweren Lasten nicht länger ziehen, werden sie in der Regel an Schlachthöfe verkauft, da sie für ihre Halter wirtschaftlich nicht mehr rentabel sind.

In Metropolen wie Paris, London, Barcelona und Tel Aviv wurden kommerzielle Pferdekutschen bereits verboten. Auch viele weitere Städte auf der Welt haben der Tierquälerei schon eine Absage erteilt.

Die E-Kutsche stellt eine sichere und tierfreundliche Alternative dar und erhält zudem das Kutschfahrt-Feeling. Die Stanser Fasnacht beispielsweise verzichtete 2020 aus Sicherheitsgründen und zum Wohl der Tiere auf Pferdekutschen und ersetzte die Tiere durch eine E-Kutsche – ein zukunftsweisendes Modell!

WAS SIE TUN KÖNNEN

  • Bitte nehmen Sie nicht an Kutschfahrten teil und klären Sie auch Ihr Umfeld darüber auf, dass Pferdekutschen Tierquälerei sind.
  • Falls Sie Zeuge von Misshandlungen oder einer Vernachlässigung von Pferden in der Kutschindustrie werden, melden Sie uns dies bitte – zum Beispiel, wenn Sie einen Unfall beobachten, bei dem ein Pferd verletzt oder getötet wurde, oder wenn ein Halter einem Pferd medizinische Hilfe verweigert.
  • Wenn ein Tier akut leidet oder sofortige medizinische Hilfe benötigt, kontaktieren Sie bitte sofort das örtliche Tierheim, das Veterinäramt oder die Polizei.
  • Sollten Sie in einer Stadt leben, die Pferdekutschfahrten noch immer erlaubt, kontaktieren Sie lokale Politiker und bitten Sie sie, sich für ein Verbot einzusetzen.
  • Sprechen Sie sich für eine Fasnacht ohne Pferde aus.