Teufen AR, 8. September 2026 – Auch in der Schweiz können Wildschweine in stadtnahen Wäldern oder sogar in Siedlungsgebieten anzutreffen sein. Die Tiere sind ursprünglich Waldbewohner, werden aber im ländlichen Raum immer stärker bejagt – in Siedlungsnähe finden sie teils noch sichere Rückzugsräume. Im Herbst sind Wildschweine besonders aktiv, denn sie müssen sich für die nahenden Wintermonate eine Fettschicht zulegen und sind vermehrt auf der Suche nach Nahrung. PETA-Fachreferent Peter Höffken gibt Tipps zum Umgang mit Wildschweinen. Denn obwohl die Wildtiere in der Regel ungefährlich sind, sollten bei einem Aufeinandertreffen von Mensch und Tier einige Dinge beachtet werden.
«In ihrem natürlichen Lebensraum geraten Wildtiere durch Zersiedelung und die Jagd immer mehr unter Druck. Die Stadt ist für viele von ihnen eine attraktive Alternative», so Peter Höffken. «Wer auf Wildschweine trifft, sollte ihnen mit Respekt begegnen. Werden ein paar einfache Tipps befolgt, gibt es keinen Grund, sich vor den faszinierenden Tieren zu fürchten.»
PETA gibt Tipps:
- Auf den Wegen bleiben: Aus Respekt vor den Tieren ist es generell ratsam, sich im Wald auf angelegten Wegen zu bewegen. Das dient der eigenen Sicherheit und schützt den natürlichen Lebensraum der tierischen Waldbewohner.
- Genügend Abstand halten: Einige Wildschweine sind in Stadtnähe an Menschen gewöhnt und ergreifen nicht direkt die Flucht, wenn man ihnen begegnet. Wer in der Stadt oder im Wald auf Wildschweine trifft, insbesondere, wenn sie mit Frischlingen unterwegs sind, sollte genügend Abstand halten und darf die Tiere nicht bedrängen – sie könnten sich sonst angegriffen fühlen und die Notwendigkeit zur Verteidigung sehen. Kreuzen Wildschweine den Weg, sollte ihnen immer der Vortritt gelassen werden.
- Tieren keine Nahrung geben: Wildschweine sollten nicht mit Nahrung versorgt werden. Die Paarhufer ernähren sich unter anderem von Eicheln, Wurzeln, Pilzen, Schnecken und Aas und finden in der Natur genug zu essen. Wer Abfälle oder Essensreste in Parks oder Waldnähe liegen lässt, lockt nicht nur Ratten und Waschbären, sondern auch Wildschweine an. Abfallbehälter sollten immer geschlossen und Verpackungen und Abfälle mitgenommen werden, wenn die Behälter überfüllt sind.
- Hunde: Wer mit Hunden spazieren geht, sollte sie im Wald oder gegebenenfalls in Parks anleinen. Im Normalfall werden Wildschweine nicht ohne Grund aggressiv, es kann aber vorkommen, dass Hunde Wildschweine jagen und die Tiere so zu einer Reaktion provozieren. Dies kann für den Hund mit schweren Verletzungen enden.
- Warnsignale: Schnauben Wildschweine, stellen sie den Schwanz auf oder klappern sogar mit den Zähnen, ist Vorsicht geboten. Spätestens jetzt sollte ruhig und langsam der Rückzug angetreten werden – Rennen oder hektische Bewegungen scheuchen die Tiere nur auf. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Wildschwein angreift, ist es ratsam, sich langsam aufzubäumen und in die Hände zu klatschen. In der Regel haben die Tiere Angst vor Menschen und treten dann den Rückzug an.
- Gärten schützen: Manche Menschen mit Garten kennen das – Wildschweine haben eine gute Nase und lieben es, in Grünflächen und Beeten herumzuwühlen. Um die Tiere fernzuhalten, eignen sich solide, mindestens 1,5 Meter hohe Zäune, die unbedingt im Boden verankert sein müssen.
Wildschweine sind für die Gesundheit des Waldes unerlässlich. Durch ihr Wühlen im Waldboden wird die obere nährstoffreiche Humusschicht mit unteren Bodenschichten vermengt, was für Keimlinge lebensnotwendig ist. Wildschweine leisten als «Gärtner des Waldes» einen essentiellen Beitrag, weil sie zur Verjüngung des Bestands beitragen. Sie unterstützen ausserdem den Wald in seiner Entwicklung, indem sie Kiefernspinner-Larven und andere sich von Baumteilen ernährende Insekten regulieren.
PETA spricht sich grundsätzlich gegen die Jagd aus. Unter dem Deckmantel der Naturverbundenheit verursachen Jägerinnen und Jäger unvorstellbares Leid. Laut der deutschen Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben bei Drückjagden bis zu zwei Drittel der Wildtiere nicht sofort. [1] Mit zerschossenen Knochen und heraushängenden Innereien flüchten die Tiere, leiden unter den Verletzungen oft tagelang und sterben qualvoll, wenn sie bei der «Nachsuche» nicht gefunden werden. Der derzeit schon ausgeübte hohe Jagddruck ist ausserdem kontraproduktiv, weil er zum Wachstum der Population führt. Studien zufolge reagieren Wildschweine mit einer erhöhten Fortpflanzungsrate auf eine intensive Bejagung. [2]
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.
[1] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2010): Tierschutz und Bewegungsjagden. Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). Arbeitskreis Wildtiere und Jagd (AK 6).
[2] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.
Weitere Informationen:
PETA-Schweiz.ch/Themen/Jagd
