Nach tödlichem Vorfall in Österreich: PETA-Expertin gibt 10 Tipps für Begegnungen mit Kühen und Co.

Wichtige Regeln für sicheres Verhalten auf Alpen und Weiden

Teufen AR, 19. Mai 2025 – Gute Luft und faszinierende Natur: Im Frühling zieht es Menschen zum Wandern in die Berge. Gleichzeitig sind vielerorts bereits Kühe auf Alpen und Weiden unterwegs, nachdem sie den Winter im Stall verbringen mussten. Dort grasen die Vierbeiner oft uneingezäunt und es kommt vor, dass Wanderwege die Weideflächen durchkreuzen. Wie gefährlich Begegnungen mit Rindern werden können, zeigt aktuell ein tragischer Vorfall in Österreich: Eine Wanderin starb nach dem Angriff einer Kuhherde, ihr Ehemann wurde schwer verletzt. In der Regel sind Rinder ruhige und gutmütige Zeitgenossen, die Menschen gegenüber eher zurückhaltend reagieren.  Fühlen sie sich jedoch bedroht, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Agrarwissenschaftlerin Lisa Kainz, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA, hat die zehn wichtigsten Sicherheitstipps für ein friedliches Miteinander von Zwei- und Vierbeinern zusammengestellt.

«Freilaufende Tiere zu beobachten, ist ein Erlebnis. Doch Vorsicht: Auch wenn Kühe und ihre Kälbchen niedlich und neugierig sind, sollten wandernde Menschen ihnen nicht zu nahe kommen. Manche Tiere fühlen sich gefährdet und wollen sich schützen», so Lisa Kainz. «Auch Hunde machen grasende Tiere nervös und verursachen leicht impulsive Reaktionen.»

Die zehn wichtigsten Sicherheitstipps für Mensch und Tier auf einen Blick:

  • Mit Hunden Weideflächen weiträumig umgehen: Wer mit einem vierbeinigen Begleiter unterwegs ist, sollte Wanderrouten fernab von grasenden Tieren wählen. Falls das nicht möglich ist, muss der Hund auf kritischen Strecken angeleint und nah bei sich geführt werden. Achtung: Wenn ein Rind angreift, ist es ratsam, den Hund freizulassen. Er ist in der Regel schneller und kann flüchten, während sich der Mensch ebenfalls in Sicherheit bringt.
  • Abstand halten: Wandernde sollten die gekennzeichneten Wege nicht verlassen und keinesfalls über Zäune klettern oder durch Rinderherden laufen.
  • Die richtige Körpersprache: Rinder nicht mit den Augen fixieren. Menschen gehen am besten locker an ihnen vorbei, das signalisiert den Tieren: Es droht keine Gefahr.
  • Weidetiere nicht füttern oder streicheln: Essen kann zu Neid in einer Herde führen und der Mensch ist schnell Mittelpunkt der Auseinandersetzungen.
  • Vorsicht bei Jungtieren: Kälber dürfen niemals angelockt oder angefasst und Mutterkühe nicht bedrängt werden. Als fürsorgliche Eltern beschützen Kühe ihren Nachwuchs oft kompromisslos – notfalls auch mit einem Angriff.
  • Ruhe bewahren: In der Nähe von Rindern gilt es, nicht zu schreien oder sich hektisch zu bewegen – auch ruhige Tiere werden dadurch möglicherweise verunsichert. Fehlt den Tieren die Möglichkeit zur Flucht, könnten sie sich zu einem Angriff genötigt fühlen. Ein Stressfaktor sind auch die sogenannten Kuhglocken. Die Belastung durch den Lärm und das oft hohe Gewicht kann dazu führen, dass Rinder in ungewohnten Situationen ängstlicher oder gereizter reagieren.
  • Alarmzeichen: Die meisten Rinder sind äusserst friedlich und nicht jedes Tier, das sich für eine wandernde Person interessiert oder ihren Weg kreuzt, wird angreifen. Senkt ein Rind jedoch den Kopf, fixiert den Menschen, scharrt mit den Vorderhufen und schnaubt, dann ist höchste Vorsicht geboten. Das Tier fühlt sich offensichtlich gestört und kann zum Angriff übergehen. Diese Reaktion sieht man häufiger bei Bullen, die ihre Herde verteidigen.
  • Verhalten im Angriffsfall: Nicht auf den Boden legen oder hektisch wegrennen. Wer von einem Rind bedrängt wird, sollte versuchen, ruhig zu bleiben und langsam zurückzuweichen; dabei dem Tier nicht den Rücken zudrehen oder in die Augen schauen.
  • Gefahr für sich selbst und andere abwenden: Wer andere Menschen beobachtet, die sich falsch oder unvorsichtig verhalten, kann sie auf den richtigen Umgang mit weidenden Tieren hinweisen.
  • Beobachten: Von einem sicheren Punkt aus lassen sich die friedlichen und faszinierenden Wiederkäuer gefahrlos bewundern – ganz ohne Stress für Mensch und Tier.

 
Diese Ratschläge gelten auch für die Begegnung mit weidenden Ziegen und Schafen.
 
Die wegen ihrer Milch oder ihres Fleisches gehaltenen und geschwängerten Mutterkühe werden in der Regel viel zu früh mit dem Auftrieb von ihren Kindern getrennt. Dagegen sehen die mit auf den Bergen weidenden Kälber ihre Mütter meist beim Alpabzug das letzte Mal, da sie in die Mast gebracht und anschliessend im Schlachthaus getötet werden. In beiden Fällen stellt die Trennung von Mutter und Kind für die hochsozialen Tiere ein traumatisches Erlebnis dar. Wer den Tieren generell nicht schaden möchte, konsumiert weder ihre Milch noch ihr Fleisch und lebt vegan.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. 

Weitere Informationen:
PETA-Schweiz.ch/Themen/Milch