Teufen (AR), 11. August 2025 – In den nächsten Tagen muss sich die Schweiz auf extreme Sommerhitze einstellen: Bis zu 37 Grad sind möglich. Während viele Menschen das Wetter geniessen, benötigen Hunde, Katzen, Kaninchen oder Pferde jetzt besonderen Schutz und das wachsame Auge ihres menschlichen Begleiters, um die Hitzewelle gut zu überstehen. Kaninchen beispielsweise buddeln in freier Wildbahn verzweigte Tunnel und Höhlen, in die sie sich bei hohen Aussentemperaturen zurückziehen können. In Gefangenschaft leiden die sensiblen Tiere häufig unter den hohen Temperaturen und erleiden nicht selten einen lebensgefährlichen Hitzschlag. Hunde überhitzen leicht, da sie sich hauptsächlich über das Hecheln abkühlen und sonst kaum Schweissdrüsen besitzen. Auch Pferde sind betroffen – rappschwarzes oder weisses Fell macht die Tiere sonnenempfindlich; Sonnenbrand oder sogar ein Hitzeschock können die Folge von zu starker Sonneneinstrahlung sein. Und auch viele heimatlose Tiere sind genau jetzt auf menschliche Hilfe angewiesen. Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA, hat hilfreiche Tipps für Menschen mit Tieren zusammengestellt.
«Tiere müssen sich bei grosser Hitze genauso vor der Sonneneinstrahlung schützen und abkühlen wie Menschen, ansonsten können die Temperaturen schnell zu einer grossen Gefahr werden. Und für heimatlose Tiere ist die Versorgung mit Wasser jetzt essenziell», so Jana Hoger. «Wer gut informiert ist, verhilft Zwei- oder Vierbeinern zu Sonnentagen ohne Wärmeleiden.»
PETAs Tipps für heisse Tage:
Flüssigkeitszufuhr:
- Zu Hause muss der Wassernapf von Hunden und Katzen stets gefüllt sein; für unterwegs können Hundehaltende Wasser in einer Flasche mitnehmen, das sie ihrem Vierbeiner immer wieder anbieten sollten. Auch für heimatlose Katzen ist menschliche Unterstützung wichtig; hier können besonders in Park- oder Gartenanlagen Wasserstellen Leben retten.
- Es ist sinnvoll, Katzen besonders im Sommer mit unterschiedlichen Wasserangeboten zum vermehrten Trinken zu animieren. Hierbei können Trinkbrunnen, mehrere Näpfe an verschiedenen Orten oder auch Eiswürfel hilfreich sein.
- Auf der Weide gehaltene Tiere wie Pferde, Schafe oder Kühe haben im Sommer einen erhöhten Wasserbedarf – Pferde trinken bis zu 100 Liter am Tag. Die Tränke sollte mehrmals täglich kontrolliert werden, damit eine ständige Zufuhr von Frischwasser gewährleistet ist.
- Viel Flüssigkeit ist auch für Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweinchen wichtig. Beide Arten neigen zu Harnwegsinfekten und können im Sommer schnell überhitzen. Das Wasser in der Tränke sollte täglich gewechselt werden. Frisches Gras und Kräuter sind ebenso beliebte Flüssigkeitslieferanten. Von handelsüblichen Trinkflaschen ist aufgrund der schlechten Hygiene im Edelstahlhalm abzuraten.
- Auch Vögeln muss ständig frisches und möglichst kühles Trinkwasser zur Verfügung stehen, dies sollte täglich gewechselt werden. Auch eine flache Schale zum Baden kann die Tiere abkühlen.
Der richtige Schutz vor Sonneneinstrahlung:
- Auf keinen Fall dürfen Hunde und andere Tiere bei Hitze im Auto zurückgelassen werden: Da Hunde nur wenige Schweissdrüsen haben und sich hauptsächlich über das Hecheln abkühlen, erleiden sie im heissen Wageninneren schnell irreparable Organschäden oder sogar einen Herzstillstand. Wer einen im Auto eingesperrten Hund sieht, sollte umgehend die Polizei rufen. Befindet sich der Hund bereits in Lebensgefahr und sind weder der Besitzer des Wagens noch die Polizei rechtzeitig zur Stelle, können Menschen in Betracht ziehen, eine Scheibe einzuschlagen, um den Hund zu retten. Damit das Einschlagen der Scheibe jedoch keine Sachbeschädigung darstellt und als sogenannter Notstand gerechtfertigt ist, muss dies die einzige Möglichkeit sein, um das Tier aus der Lebensgefahr zu befreien. Nach Möglichkeit sollten Zeugen hinzugezogen werden, damit diese die Notsituation im Nachhinein bestätigen können.
- Für Tiere, die auf der Weide gehalten werden, ist ein schattenspendender, gut belüfteter Unterstand mit Blitzableiter essenziell und gesetzlich vorgeschrieben – so sind sie vor Sonneneinstrahlung und Hitzegewittern geschützt. Steht ein kühler Stall zur Verfügung, sollte dieser besonders in den heissen Mittagsstunden geöffnet sein, um den Tieren die Möglichkeit zu geben, sich zurückzuziehen.
- Kaninchen, Meerschweinchen oder Vögel sind im Sommer auf eine möglichst kühle Umgebung angewiesen. Die Wohnung sollte tagsüber abgedunkelt werden, in ein Handtuch gewickelte Eiswürfel oder Kühlakkus können für zusätzliche Kühlung sorgen. Dabei müssen sich die Tiere aber immer von den Kühlquellen entfernen können. Im Aussengehege oder der Aussenvoliere ist ein gut belüfteter Unterschlupf im Schatten unerlässlich; keinesfalls dürfen Tiere in Käfigen oder Buchten in der Sonne stehen. Ein Ventilator oder permanent weit geöffnete Fenster sind nicht zur Abkühlung geeignet, da sich viele Tiere im Luftzug schnell erkälten oder schmerzhafte Bindehautentzündungen davontragen können.
- Auch Wildtiere und heimatlose Katzen freuen sich über Schatten spendende Plätze in Gärten, offenen Scheunen und anderen Bereichen. Wasserstellen können Leben retten.
Keine Bewegung bei zu hohen Temperaturen:
- Sportliche Anstrengungen mit Hunden – wie das Laufen am Fahrrad – sind bei grosser Hitze zu vermeiden. Zudem empfiehlt es sich, Spaziergänge in den kühleren Morgen- oder Abendstunden zu planen.
- Auch Pferde sollten bei Temperaturen über 30 Grad nicht bewegt werden – hier sind ebenfalls die Morgen- und Abendstunden zu bevorzugen.
Achtung, Sonnenbrand:
- Vorsicht bei hautempfindlichen hellen Tieren: Hier ist das Eincremen mit Sonnencreme auf Nasenrücken und Ohren sinnvoll, um Hunde, Katzen oder Pferde vor Sonnenbrand zu schützen. Dabei sollte ein ungiftiges Naturkosmetikprodukt gewählt werden, falls die Tiere es schaffen, die Creme abzuschlecken. Alternativ eignet sich eine Sonnencreme für Kleinkinder und Babys mit Lichtschutzfaktor 50.
- Tiere, die mit roter oder schuppender Haut bereits Anzeichen eines Sonnenbrandes zeigen, müssen umgehend aus der Sonne genommen werden. Ein Gang in die tierärztliche Praxis empfiehlt sich.
Lebensgefahr: Erste Symptome eines Hitzschlags erkennen:
- Anzeichen für Überhitzung beim Hund sind starkes Hecheln und Apathie, teils aber auch Nervosität. Sehr starkes Hecheln, Taumeln, eine dunkle Zunge oder ein glasiger Blick und Erbrechen lassen darauf schliessen, dass der Hund vermutlich bereits einen Hitzschlag erlitten hat und in akuter Lebensgefahr schwebt. Erste-Hilfe-Massnahmen: Das überhitzte Tier muss sofort in den Schatten gebracht werden. Der Körper, besonders Beine und Pfoten, des Hundes sollte langsam und behutsam mit handwarmem oder leicht kühlem Wasser befeuchtet werden. Das dringend notwendige Trinkwasser, welches niemals eingeflösst werden darf, darf ebenfalls nicht eiskalt sein. Bei zu kalter oder zu schneller Abkühlung droht ein Kreislaufschock. Anschliessend muss das Tier umgehend tierärztlichem Fachpersonal vorgestellt werden – auch wenn sich sein Zustand durch die Erste-Hilfe-Massnahmen scheinbar verbessert hat.
- Beginnt ein Pferd ohne ersichtlichen Grund plötzlich stark zu schwitzen, lässt die Körperspannung nach und fängt es schlimmstenfalls an zu taumeln, hat es möglicherweise einen Hitzschlag erlitten. In diesem Fall muss sofort ein Tierarzt oder eine Tierärztin gerufen werden. Als Erste-Hilfe-Massnahmen bringen Pferdehaltende das Tier umgehend an einen schattigen, gut belüfteten Ort und kühlen es mit Wasser, beginnend an den Gliedmassen. Nasse Umschläge können ebenfalls helfen.
- Liegt ein sonst gesundes Kaninchen oder Meerschweinchen an einem heissen Tag teilnahmslos auf der Seite und atmet schnell und flach, sollte es unmittelbar in den Schatten gebracht werden. Ein kühles, feuchtes Handtuch als Unterlage kann das Tier abkühlen. Auch kühle Luftzufuhr kann helfen. Das Heimtier muss umgehend in eine tierärztliche Praxis gebracht werden, da es möglicherweise einen Hitzschlag erlitten hat und sogar an Kreislaufversagen sterben kann.
In einem aktuellen PETA-Motiv zeigt sich Schauspieler Christian Berkel eingesperrt in einem überhitzten Auto – und macht damit deutlich, wie lebensgefährlich Sommerhitze für Hunde im Fahrzeug werden kann. Der zweifache Hundehalter schlüpft für die Kampagne in die Rolle eines Vierbeiners, der bei steigenden Temperaturen im Wagen zurückgelassen wurde. Schon nach kurzer Zeit wird die Hitze zur tödlichen Falle – Berkel sitzt schweissgebadet im Auto und demonstriert eindrucksvoll, was vielen Tieren jedes Jahr passiert. Sein Appell: «Hunde niemals im Auto lassen – Hitze tötet!»
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So empfinden viele Menschen Hunde und Katzen als Familienmitglieder und lehnen es ab, sie zu halten, auszubeuten und zu töten wie Schweine, Rinder oder Hühner. Trotzdem betrifft Speziesismus auch sogenannte Haustiere: Sie werden zur menschlichen Unterhaltung benutzt, oftmals unter tierschutzwidrigen Bedingungen (qual-)gezüchtet und wie Ware verkauft. Auch für Tierversuche werden sie missbraucht.

Die Fotos können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.
Weitere Informationen:
PETA.ch/Haustiere-Hitze-Tipps
PETA.ch/Wildtiere-Hitze-Tipps
