Pelzkontrollen in der Schweiz: 79 % aller Läden deklarieren Pelz falsch

Mitte Oktober 2020 stellte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) grobe Verstösse gegen die Kennzeichnungspflicht für Pelz fest: Von 180 kontrollierten Geschäften kennzeichneten 142 die dort angebotenen Pelzprodukte falsch, unzureichend oder gar nicht. Insgesamt wurden 6.950 Pelzprodukte bei der Kontrollaktion 2019/20 untersucht. [1]

Mit 55 Prozent beanstandeten die Kontrolleure des BLV am häufigsten die fehlerhafte Deklaration von Pelzkrägen an Jacken, die eigentlich aus dem Fell von Marderhunden bestanden. Angegeben wurde jedoch, der Pelz sei aus Waschbärfell. [1] Oft wird das Hundefell vorsätzlich als Waschbärfell ausgegeben, um den Verbraucher nicht vom Kauf abzuschrecken, da Hunde in Europa einen besonderen Stellenwert haben. Dabei leiden alle Tiere in der Pelzindustrie unter denselben grausamen Methoden.

So leiden Marderhunde, Polarfüchse, Nerze und andere Tiere in der Pelzproduktion

Neben Marderhunden und Waschbären leiden zahlreiche andere Tierarten für ihr Fell. 85 Prozent der Füchse, Nerze, Chinchillas, aber auch der Hunde und Katzen werden eigens für die Pelzindustrie in Pelzfarmen gezüchtet, wo sie unvorstellbares Leid erfahren. [2] Platz oder Tageslicht sind zumeist Mangelware, oft müssen die Tiere auf blanken Drähten laufen, einen richtigen Boden haben die Käfige nicht. Gezwungenermassen leben die Tiere dabei in ihren eigenen Exkrementen. Die Folgen sind eiternde Geschwüre und offene Wunden, die sich die eingepferchten Tiere oft selbst zufügen. Auch Verhaltensstörungen sind an der Tagesordnung.

Beim Töten der Marder und Nerze steht nicht das möglichst leidlose Töten im Vordergrund, sondern dabei die Fellqualität zu erhalten. Nerze werden beispielsweise in kleine Boxen gepfercht und qualvoll vergast. Es kommt immer wieder vor, dass die Betäubung nicht wirkt und die Tiere lebendig gehäutet werden. Auch das Töten mit einem Elektroschockgerät ist nicht weniger grausam: Die Tiere verbrennen von innen heraus. Auf chinesischen Märkten knüppeln Händler Marderhunden mit Brechstangen die Schädeldecken ein. Oft sterben die Tiere dabei nicht sofort, sondern sind bei Bewusstsein, wenn ihnen das Fell abgezogen wird. 

Auch die Jagd auf Wildtiere mit Fallen für Pelzmäntel, -krägen und Mützen zeigt ein grausames Bild: Tritt ein Fuchs mit der Pfote in eine Falle, leidet das verstümmelte Tier meistens mehrere Tage qualvoll, bevor ein Jäger nach der Falle sieht. Nur, um das wehrlose Tier anschliessend zu erschiessen oder zu erschlagen.

Pelzimporte aus dem Ausland müssen verboten werden

Im April 2020 entschied der Schweizer Bundesrat, dass Bekleidungsläden mit Pelz im Sortiment ihre Produkte mit Etiketten und folgenden Informationen kennzeichnen müssen [3]: 

  1. Die eindeutige Aufschrift «Echtpelz»
  2. Die zoologische Bezeichnung der Tierart
  3. Die wissenschaftliche Bezeichnung der Tierart
  4. Das Herkunftsland
  5. Die «Gewinnungsart», sprich Zuchtmethode, Details zur Haltung oder zum Fang des Tieres, von dem das Fell stammt

Auf Basis dieser Informationen sollen Kunden eine Kaufentscheidung fällen. Dennoch zeigen die regelmässigen Kontrollen des BVL, dass auch die strengeren Verordnungen in der Schweiz viel Spielraum für Tiermissbrauch lassen. [4]

PETA fordert daher ein Importverbot von Pelzwaren, deren Herstellungsbedingungen in der Schweiz illegal sind. Faktisch gibt es weder in Europa noch in Asien oder Nordamerika Pelzfarmen, die die Mindestanforderungen des Schweizer Tierschutzgesetzes erfüllen. 

WAS SIE TUN KÖNNEN

  • Bitte kaufen Sie niemals Kleidung mit Pelz. Denn hinter jedem Fell steckt ein totes Tier, das in seinem kurzen Leben unfassbares Leid ertragen musste.
  • Informieren Sie auch Ihre Freunde und Familie über das Leid der Tiere in der Pelzindustrie.
  • Machen Sie sich bewusst, dass von Pelzfarmen massive Pandemie-Risiken ausgehen.