Hühnermast – die Qualzucht von Hühnern für den Profit

Hühner bilden soziale Hierarchien, erkennen einander, schliessen Freundschaften, lieben ihre Kinder und geniessen Staubbäder. Manche mögen die Gesellschaft von Menschen, wieder andere sind eher schüchtern. Wie Hunde, Katzen und Menschen steckt in jedem Huhn ein Individuum mit einer ausgeprägten Persönlichkeit.

Doch in der «Hühnermastindustrie» muss ihre Einzigartigkeit zurückstehen, denn nur die Wirtschaftlichkeit zählt. Meist leben die Hühner in beengten Verhältnissen, können ihre grundlegenden Bedürfnisse keinen einzigen Tag lang ausleben und leiden unter psychischem Stress und der Qualzucht. Die meisten Hühner werden bereits im Alter von etwa 5 Wochen im Schlachthaus getötet – die natürliche Lebenserwartung eines Huhns kann hingegen etwa 10 Jahre betragen.

Inhaltsverzeichnis:

Unterscheidung zwischen «Masthühnern» und «Legehennen» 

Vor 1960 waren Hühner in der Tierwirtschaft sogenannte Zweinutzungsrassen, die sowohl für die «Fleischproduktion» als auch die «Eierproduktion» gezüchtet wurden. Danach kam es zu einer Aufspaltung, bei der die Tiere durch Qualzucht und Leistungsfutter entweder auf einen äusserst hohen «Fleischzuwachs» oder eine hohe «Eierproduktion» getrimmt wurden. Diese Trennung in der Hühnerzucht zielt darauf ab, durch die Ausbeutung der jeweiligen Gattung einen möglichst hohen wirtschaftlichen «Ertrag» zu erzielen. Denn eine «Legehenne» setzt kaum Fleisch an und ein «Masthuhn» legt für die Betriebe zu wenig Eier. [1]  

Ohne Bruteier aus dem Ausland kein Schweizer «Poulet»

Damit «Poulet» das Label «Suisse Garantie» erhalten kann, müssen die Küken für die Mast in der Schweiz geboren sein. Da es in der Schweiz jedoch keine Zucht dieser Tiere gibt, ist die «Geflügelindustrie» hierzulande von ausländischen Zuchtfirmen abhängig, um den hiesigen «Bedarf» zu decken. Deshalb werden jedes Jahr über 200’000 «Mastelterntiere» aus dem Ausland in die Schweiz importiert – auch für die Biohaltung. Diese produzieren dann etwa ein Jahr lang befruchtete Eier, sogenannte Bruteier. Diese Eier werden aber auch direkt importiert: 2015 waren es 45 Millionen. In Brutschränken schlüpfen die Hühnerbabys dann anonym und ohne die Nähe ihrer Mütter. Nach dem Schlupf werden die sogenannten Eintagsküken in Kisten verpackt und an Mastbetriebe geliefert. Die Tiere haben ihr Leben lang keinen Kontakt zu ihrer Mutter oder zu einem anderen erwachsenen Huhn. [1]

Von 60 Gramm auf zwei Kilogramm in 35 Tagen

In der Mast sollen Hühner in kürzester Zeit so viel Fleisch wie möglich ansetzen – vorwiegend im Brust- und Beinbereich. Um dies zu erreichen, wurde den Tieren das Sättigungsgefühl weggezüchtet. Aufgrund der Qualzucht und durch den ständigen Drang nach Essen legen «Masthühner» extrem schnell an Gewicht zu – dreimal so schnell wie sogenannte Legehennen. Spezielle Beleuchtungssysteme in den Ställen sorgen zusätzlich dafür, dass die Hühner vermehrt essen. Sie erhalten vor allem energiereiche Nahrung, die zu mehr als zwei Dritteln aus dem Ausland importiert wird. Zudem werden ihnen Medikamente wie Antibiotika verabreicht, ohne die noch mehr Tiere die verheerenden Zustände in der Mast nicht überleben würden. [1]

Huehnermast

Auch Reserve-Antibiotika, welche in Krankenhäusern als letzte Notfallmedikamente eingesetzt werden, werden den Tieren verabreicht, da die gängigen Antibiotika aufgrund von Resistenzen oft nicht mehr wirksam sind. Alleine 2020 wurden 5,2 Millionen Schweizer Küken und «Masthühner» mit Reserve-Antibiotika behandelt. [2] Dies ist in hohem Masse problematisch, da es dazu führen kann, dass eines, mehrere oder alle Antibiotika nicht mehr wirksam sind und dadurch Tausende Menschen an relativ einfachen bakteriellen Erkrankungen sterben. 

Die Küken wiegen durchschnittlich 60 Gramm und werden in der Schweiz innerhalb von 35 Tagen auf das «Schlachtgewicht» von zwei Kilogramm gemästet – eine enorme körperliche Belastung. Das entspricht einer Gewichtszunahme von 60 Gramm pro Tag. Ein 3,5 Kilogramm schweres Neugeborenes würde unter denselben Anforderungen weit über 100 Kilogramm schwer werden, bei Erwachsenen entspräche dies, je nach Ausgangsgewicht, einer Zunahme von vier bis fünf Kilogramm pro Tag – als müsste das Skelett eines Kindes das Gewicht eines Erwachsenen tragen. Das exzessive Wachstum der Tiere führt dazu, dass sie sich kurz vor ihrer Tötung kaum noch fortbewegen können. [1]

Haltungsformen in der Schweiz

In der Schweiz leben die meisten «Masthühner» in Anlagen von 8’000 bis maximal 18’000 Artgenossen – somit müssen sich 15 ausgemästete Tiere einen Quadratmeter Stallfläche teilen. In solch riesigen Gruppen ist es den Tieren nicht möglich, ihrem natürlichen Bedürfnis nach einer sozialen Rangordnung nachzukommen. Indem die Tiere auf diese enorme «Leistung» gezüchtet und nach durchschnittlich fünf Wochen getötet werden, können die Ställe jedes Jahr sieben- bis neunmal mit neuen Hühnern gefüllt werden, die das gleiche Leid ertragen müssen. [1]

In der Schweiz gibt es vier verschiedene Haltungsformen: konventionell, mit dem Zusatz BTS oder RAUS und die Biohaltung.

Konventionelle Mast

Die konventionelle Mast entspricht einer Bodenhaltung in einer Halle. Dies bedeutet, dass die Tiere auf einer dünnen Schicht Einstreu gehalten werden. Zugang zu frischer Luft wird ihnen in ihrem trostlosen Leben nicht gewährt. Abgesehen von Futterstellen und Tränken stehen keine Strukturen wie Beschäftigungsmaterial zur Verfügung – auch erhöhte Sitzgelegenheiten sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Als Begründung hierfür wird genannt, dass es kostengünstiger ist und die Tiere ohnehin so masslos überzüchtet sind, dass sie aufgrund ihres Gewichts nicht auf den Sitzstangen ruhen bzw. schlafen können, da ihre Brust sie nach vorne fallen lassen würde. Dies unterstreicht, dass der Profit hier über das Wohl der Tiere gestellt und die Tiere zur Ware degradiert werden. [1]

Besonders tierfreundlichen Stallhaltung (BTS)

Es gibt weiter auch die sogenannten Tierwohlprogramme des Bundes (BTS und RAUS), deren Teilnahme auf freiwilliger Basis beruht und den Landwirten Direktzahlungen einbringt – ihnen also einen wirtschaftlichen Anreiz verschafft. Die Anforderungen der besonders tierfreundlichen Stallhaltung (BTS) unterscheiden sich im Stall nicht besonders von der konventionellen Haltung. Die Tiere erhalten beispielsweise erhöhte Sitzgelegenheiten, zudem muss ihnen ab dem 21. Lebenstag ein täglicher Auslauf zu einem Aussenklimabereich (überdachter Bereich mit Frischluft) gewährt werden. Dieser kann bei niedrigen Temperaturen jedoch geschlossen bleiben. Unter diesem Vorwand können Landwirte die Tiere wochenlang im Stall fristen lassen. Auch bei dieser Haltungsform wird den Hennen weder Weidezugang noch eine artgerechte Bewegungsfreiheit im Stall gewährt. [1]

«Regelmässiger Auslauf im Freien» (RAUS)

Bei der Haltungsform «Regelmässiger Auslauf im Freien» (RAUS) muss Hühnern fünf Stunden täglich Auslauf auf eine Weide zur Verfügung stehen – aber ebenfalls erst nach dem 21. Lebenstag. Auch hier gibt es diverse Ausnahmen, zum Beispiel, dass den Tieren bei niedrigen Temperaturen, Wind oder Regen kein Zugang zur Weide gewährt werden muss. Die Hühner müssen mindestens 56 Tage gemästet werden, um die RAUS-Beiträge des Bundes zu erhalten. Solche «Tierwohlprogramme» sind im Grunde Verbrauchertäuschung, denn sie verringern weder die körperlichen Schäden durch Überzüchtung und artwidrige Haltung noch verhindern sie die Tötung der Tiere. [1]

Biohaltung

Viele Verbraucher werden durch den Begriff «Bio» zu falschen Schlussfolgerungen verleitet, denn auch die Biohaltung ist mit Tierleid verbunden. In dieser Haltungsform dürfen bis spätestens zum 28. Lebenstag der Tiere maximal zwei Gruppen mit je 2’000 Hühnern gehalten werden. Bei der Ausmast (mindestens bis zum 63. Tag) dürfen die Bestände maximal vier Gruppen mit je 500 Tiere umfassen. Diese noch immer sehr hohe Besatzdichte bedeutet für die Hennen Dauerstress, da das Leben in anonymer Masse ihrer natürlichen Sozialstruktur widerspricht. Die Bedürfnisse der Tiere können auch in der Biohaltung bei Weitem nicht erfüllt werden, denn auch hier sind die Hühner für die Industrie lediglich eine Ware, die einen einzigen Zweck erfüllt – möglichst viel Fleisch «anzusetzen». Zusätzlich stammen, wie schon erwähnt, auch die Hühner in der Biohaltung aus Brütereien, in denen Küken anonym in Brutkästen schlüpfen. Hühner in der Biohaltung mögen somit vielleicht etwas mehr Platz oder das «Glück» haben, in der Erde picken zu können. Jedoch leiden sie an der gleichen Überzüchtung wie ihre Leidensgenossen in anderen Haltungsformen und werden alle meist im gleichen Schlachthof getötet – weit vor ihrer natürlichen Lebenserwartung und unabhängig davon, in welcher Haltungsform sie davor gelitten haben. [1] 

Krankheiten durch Qualzucht und Haltung vorprogrammiert

Hühner werden so gezüchtet, dass möglichst hoher Profit aus ihnen geschlagen werden kann. Das geht auf Kosten der Tiere, die unter den Folgen dieser Qualzucht leiden, beispielsweise unter schmerzhaften Knochendeformierungen an Beinen und Brust, die bis zur Bewegungsunfähigkeit und somit zum Verdursten der Tiere führen können. Denn die empfindlichen Körper der Tiere können mit dem massiv schnellen «Fleischzuwachs» nicht mithalten. Da die Brust der Tiere besonders begehrt ist, wurden diese züchterisch so vergrössert, dass sich ihr Körperschwerpunkt nach vorne verlagert hat statt auf die Füsse. Teilweise sterben sie langsam und qualvoll an Durst oder Erschöpfung. Auch ihr Herz-Kreislauf-System leidet darunter: Plötzlicher Herztod zählt zu den häufigsten Todesursachen der Schweizer Hühner. [1]

Huhn in der Masttierhaltung

Transport zum Schlachthaus und gewaltsame Tötung

2015 wurden in der Schweiz knapp 70 Millionen Tiere getötet – über 60 Millionen davon waren «Masthühner». Das ergibt zwei Hühner pro Sekunde – ohne Einberechnung der in den Brütereien oder während der Mast gestorbenen und getöteten Hühner (ca. 4 Prozent des schweizweiten Gesamtbestands). [1]

Um die Tiere für die Tötung in den Schlachthof zu transportieren, werden die empfindlichen Hühner an den Beinen oder Flügeln gepackt, was zum Auskugeln ihrer Gelenke, Knochenbrüchen und Quetschungen führen kann. Danach werden sie in Kisten gestopft, in denen in der Schweiz pro Huhn ca. eine halbe A4-Seite Platz vorgeschrieben ist. Dicht an dicht müssen die sensiblen Tiere den stressvollen Transportweg ertragen.

Am Schlachthof angekommen, werden sie aus den Kisten gerissen und entweder im Elektrobad oder mit CO2 betäubt. Bei ersterem werden die Hühner bei vollem Bewusstsein kopfüber an ihren sensiblen Füssen an Metallbügeln aufgehängt. Dies versetzt die Tiere in Panik und ist für sie äusserst schmerzhaft. Erst nach einem etwa einminütigen Kampf lassen die Tiere aus Erschöpfung vom Zappeln an der Schlachtkette ihren Kopf nach unten hängen. Dieser wird nun in ein unter Strom stehendes Wasserbad eingetaucht, und die Tiere werden durch den Stromschlag betäubt. Danach wird ihnen die Kehle aufgeschnitten. Teilweise sind die Tiere hierbei noch bei vollem Bewusstsein, wenn ihren Kopf nicht oder nicht ausreichend in das Bad getaucht wurde oder die Stromstärke nicht ausreicht. Hühner, die mit CO2 betäubt werden, werden auf einem Förderband durch einen Tunnel gefahren, in dem sie eine Gasmischung einatmen, die ihre Schleimhäute schmerzhaft reizt und sie betäuben soll – ein enormer Stress. Diese Tötungsmethode kann bei den Hühnern Erstickungssymptome auslösen. Auch bei der CO2-Betäubung sind die Tiere beim tödlichen Entblutungsstich (Durschneiden der Halsschlagader) teilweise noch bei vollem Bewusstsein. [1]

WAS SIE TUN KÖNNEN

Hühnerfleisch ist mit immensem Tierleid verbunden – egal, in welcher Haltungsform das Tier sein Leben fristen musste. Bitte helfen Sie, den intelligenten und sensiblen Hühnern dieses qualvolle Schicksal zu ersparen – konsumieren Sie kein Hühnerfleisch und im besten Fall keinerlei Tierprodukte. Damit tragen Sie auch dazu bei, das Risiko einer neuen Pandemie aufgrund von Antibiotikaresistenzen zu senken.

Melden Sie sich noch heute bei unserem unverbindlichen und kostenlosen Veganstart-Programm an, und erhalten Sie 30 Tage lang leckere vegane Rezepte und viele Tipps und Tricks, die den Einstieg in ein gesundes und tierfreundliches Leben erleichtern.